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Historisches

Sanierungsgebiet Dresden-Löbtau

Volksbad Löbtau – Badweg 1, 01159 Dresden

Historie und Stadtteilverflechtung

Das ehemalige „Volksbad Löbtau“ wurde als Volks- bzw. Reinigungsbad im Mai 1902 zur öffentlichen Nutzung freigegeben. Das Bad diente zudem während der Unterrichtszeiten unter dem Stichwort Lehre der Körperhygiene als Schulbad der angrenzenden damaligen 35. Bezirksschule. In diesen Kontext ist auch die Ensemblewirkung der Einzelgebäude Schulhaus, Turnhalle, Volksbad einzuordnen.

Noch vor der Eingemeindung Löbtaus nach Dresden erhielt die damals mit 39.000 EW größte Landgemeinde Sachsens Löbtau mit einen der ersten Stahlbetonskelettbauwerke, dessen Außenhülle mit Putzmauerwerk und einzelnen roten Schmuckklinkern versehen ist, ein einzigartiges Wahrzeichen. Das denkmalgeschützte Wannen- und Brausebad besticht neben zahlreichen Details auch mit seiner Dachlandschaft. Mittig unter dem Walmdach befand sich unter dem großen nach innen geneigtem flachen Dachbereich ein großer Wasserzuber. Daneben beherbergte das Obergeschoss eine Wohneinheit, die vormals dem Haus- und Bademeister als Wohnung diente. Das Kellergeschoss nahm neben dem Kohlenlager auch die Technik des Bades und die Sanitärinstallationen auf.

Abb.: historische Bauzeichnung des Erdgeschoss aus dem Bauantrag zum Volksbad, Quelle: Stadtplanungsamt

Das in den Außenmaßen 12 x 18 m große Erdgeschoss, das eigentliche Badehaus, war über den nördlichen zweiflügeligen Haupteingang an den Badweg, ein alter Ernteweg der von Naußlitz aus über eine Weißeritzfurt Richtung Zellscher Weg führte, an das öffentliche Wegenetz angebunden. Im EG des kommunalen Gebäudes befanden sich ursprünglich vier Wannen und 26 Duschkabinen. Bereits im Eingangsbereich erfolgte eine geschlechterspezifische Nutzertrennung. Während den Knaben zwei Wannen und 15 Duschen zur Verfügung standen mussten die Mädchen mit elf Duschen und zwei Wannen auskommen.

Vor der Entkernung des Altbaus im Herbst 2009 wurden insgesamt 14 Brausen und 12 Wannen in Einzelkabinen gezählt. Jeder Duschkabine war eine eigene Ankleide als Vorbereich zugeordnet. Die Dusch- und Badezeiten richteten sich, wie auch die Wasser- und Raumtemperatur, welche übrigens zwischen 19 und 22,5°C betragen sollte, nach der Badeordnung.

Das Volksbadgebäude selbst steht mit seiner Ostfassade, die als Brandgiebel ausgeprägt war, als Grenzbebauung unmittelbar auf der östlichen Grundstücksgrenze. An den ehemaligen Brandgiebel schließt heute der Ergänzungsneubau der Kita an. Die gestalterisch reizvollen Ansichten des Altbaus bietet vor allem der ehemalige Haupteingang im Norden am Badweg als auch die West- und Südansicht.

Abb.: historische Unterlagen aus dem Bauantrag zum Volksbad, Quelle: Stadtplanungsamt

Das in der Gründerzeit entstandenen Einzeldenkmal wurde als letztes Reinigungsbad Dresdens Anfang der 90er Jahre genutzt. Das Bad hatte an 4 Tagen in der Woche (Mittwoch bis Sonnabend) geöffnet. Die Löbtauer Würfelhäuser waren überwiegend ohne Bäder gebaut, so dass eine große Nachfrage bestand. Diese nahm merklich erst zu Beginn der 1990er Jahre mit fortschreitender Sanierung der Altbausubstanz ab. Bereits im ersten Betriebsjahr vom Mai 1902 bis Mai 1903 nutzten ca. 30.000 Badegäste das Wannen- und Brausebad zur Körperhygiene. Das Bad war somit ein fester Bestandteil des Alltaglebens der Bevölkerung. Ganz nebenbei tauschte man über die marmornen Duschtrennwände die Neuigkeiten im Viertels aus. Das Volksbad ist bis heute vielen Altlöbtauern als Identitätsstiftendes Bauwerk ein Begriff und wird dies in seiner neuen Funktion als Kindertageseinrichtung auch in Zukunft vielen Neulöbtauern sein und bleiben. Ein Stück Stadtteilgeschichte und ein architektonisches Kleinod konnte mit Hilfe der Fördermittel aus dem Bund-Land-Stadtprogramm zur städtebaulichen Neuordnung über das Sanierungsgebiet Dresden-Löbtau erhalten, saniert und einer sozialen öffentlichen Nachnutzung zugeführt werden.

Ricarda Häuser Florian Ehrler
Stadtplanungsamt Freier Landschafts- und Gartenarchitekt
Gebietsverantwortliche freiraumentwicklung ehrler
Sanierungsgebiet Löbtau  

 

Abb.: Eindrücke vom Volksbad Löbtau; Aufnahmen vor der Sanierung; Quelle Stadtplanungsamt; freiraumentwicklung ehrler

 

Volksbad - Fotogallerie mit Fotos vor der Sanierung

 

Sanierung - Fotogallerie mit Fotos aus der Bauphase